Theologie, Kirchgemeinden, Kommunikation

Von Jubiläumsfeierlichkeiten zur Alltagsarbeit

Liebe Leserin, Lieber Leser

 

War das Jahr 2017 geprägt von den Festlichkeiten zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation, so rückte 2018 wieder die Alltagsarbeit in den Vordergrund. In unserem täglichen Leben als Gemeinschaft von Christinnen und Christen gilt es, dem nachzuleben, was die Köpfe der Neugestaltung der Kirche im 16. Jahrhundert mit ihrem Grundsatz von der permanent zu erneuernden Kirche, «ecclesia semper reformanda», zum Ausdruck gebracht haben.

 

Kirche in Bewegung

Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen, dass das Reformations-Jubiläum Impulse für den Weg in die Zukunft unserer reformierten und immer neu zu reformierenden Kirche gebracht hat. Im Alltag soll sich bewähren und Wirkung zeigen, was in schönen Worten und stimmigen Feiern zelebriert worden ist. Erfreulicherweise bewegt sich gegenwärtig Einiges auf allen Ebenen unseres Kircheseins, in den Kirchgemeinden, in den Landeskirchen, im Schweizerischen Protestantismus:

  • Menschen aus den Kirchgemeinden haben sich auf den Weg gemacht, um als «Kirche Vorderland» oder als «Kirchenpark Hinterland» neue Formen der Zusammenarbeit zu erkunden.
  • Die Synode hat dem Kirchenrat den Auftrag zur Totalrevision unserer Kirchenverfassung erteilt.
  • Die Abgeordneten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK haben die Schaffung einer Evangelischen Kirche Schweiz EKS beschlossen.

Alle diese Aufbrüche wollen mithelfen, unsere Kirche fit für ihren Weg in die Zukunft zu machen.

 

«In guter Verfassung»

Unter dieses Motto hat der Kirchenrat den Auftrag zur Totalrevision der Kirchenverfassung gestellt. Damit auch wir als Appenzeller Landeskirche uns gut aufgestellt und fit auf den Weg machen können, braucht es viel: Es braucht das Mitdenken und Mitgestalten von Menschen, denen unsere Kirche am Herzen liegt. Und es braucht zuerst und zuletzt die Leitung und Begleitung durch den guten Geist Gottes. «An Gottes Segen ist alles gelegen», so hat einer der Köpfe der Reformation im 16. Jahrhundert, Martin Luther, den 127. Psalm überschrieben.
Darauf wollen wir bauen, so bleiben wir fit!

 

Neue Delegierte Schweizerische Bibelgesellschaft

Ursula Lee-Weigel übernahm im Februar 2018 die Delegation in die Schweizerische Bibelgesellschaft.

Koni Bruderer, Kirchenratspräsident

Finanzen

Neue Darstellung von Budget und Jahresrechnung

Nachdem die Herbst Synode 2017 dem Antrag des Kirchenrats auf Einführung eines neuen landeskirchlichen Konten- und Funktionenplans gemäss den von Bund und Kantonen für die Öffentliche Hand vorgegebenen Rechnungslegungsrichtlinien HRM2 (Harmonisiertes Rechnungsmodell) zugestimmt hatte, wurde im Berichtsjahr die Buchhaltung, die Kostenstellenrechnung und die Lohnbuchhaltung umgestellt. Das Budget 2019 und die Jahresrechnung 2018 der Landeskirche wurden erstmals in einer auf unsere Landeskirche zugeschnittenen neuen Darstellung präsentiert. Mit dem Ziel, ein aussagekräftigeres Reporting zu erhalten, wurden neue Begriffe eingeführt und die Gliederung angepasst.

Zum besseren Verständnis wurden Jahresrechnung und Budget um erläuternde Anhänge und einen entsprechenden Kommentar ergänzt.

 

Reglement 5.20 Finanzausgleich

Für viel Diskussionsstoff sorgte das neue Reglement 5.20 Finanzausgleich. Das der Sommer Synode zur 2. Lesung vorgelegte Reglement basierte auf einen reinen Steuerkraftausgleich. Die vorgesehene Mindestausstattung wäre nach Kirchgemeindegrössen zu Gunsten kleinerer Kirchgemeinden abgestuft worden. Aufgrund verschiedener kontroverser Änderungsanträge zog der Kirchenrat seinen Antrag schliesslich zurück.

Die gegenüber den Einnahmen deutlich höheren Ausgaben aus dem Zentralfonds machten jedoch ein umgehende Reglementänderung unumgänglich. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen legte der Kirchenrat der Sommersynode 2018 folgende Änderungsanträge für den Finanzausgleich vor:

  • Erhöhung der Zentralfondssteuer von 2.5 auf 2.8 Einheiten
  • Senkung des Grundbedarfsausgleich von CHF 80 auf CHF 70 für Kirchgemeinden mit weniger als 800 Mitgliedern
  • Kürzung der Investitionsbeiträge um linear 25%

Zusätzlich wurde die Regelung für den Zielbestand des Zentralfonds angepasst.

Thomas Gugger, Kirchenrat

Seelsorge

Brüche und Umbrüche

Neuer Seelsorger im Gefängnis Gmünden

Anfang des Jahres galt es, die Stelle des Gefängnisseelsorgers neu zu besetzen.
Ab 1. Juni 2018 wurde Peter Solenthaler, Pfarrer in Herisau, als Seelsorger in der Strafanstalt Gmünden angestellt. Er versieht ein Pensum von 10.5% .
Auf 1. August 2018 ist Christine Culic-Sallmann von ihrem Amt als Kirchenrätin zurückgetreten. Sie war für das Ressort Seelsorge zuständig.
Die Stellvertretung des Ressorts Seelsorge bis Ende 2018 teilten sich Kirchenrätin Iris Bruderer und Kirchenratspräsident Koni Bruderer.

Regula Gamp, Kirchenrätin

 

Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen:
Neue Lösung nach 30 Jahren

Die im Jahr 1987 gegründete Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen BEFL wird in dieser Form nicht mehr weitergeführt. Nach neuen, zeitgemässen Lösungen wird gesucht.
Nach der Pensionierung von Stelleninhaberin Dr. Madeleine Eberle Egli Ende März 2018, ihrem Wunsch gemäss einige Monate nach Erreichen des regulären Pensionsalters, übernahm Diplompsychologin Brigitte Lachelier die Beratungsstelle mit einem befristeten Arbeitsvertrag bis Ende 2018. Sowohl der neue Standort an der Kasernenstrasse in Herisau wie auch die Arbeitsbedingungen erwiesen sich als nicht zielführend. Die Anstellung wurde daraufhin im Oktober 2018 vorzeitig beendet.
Glücklicherweise konnte mit Walter Feurer, dem ehemaligen Leiter der Beratungsstelle der St.Galler Kantonalkirche und Psychotherapeut mit eigener Praxis in St.Gallen, eine kompetente Fachperson gewonnen werden, um die BEFL bis zur Errichtung einer definitiven Neulösung weiterzuführen.

 

Übergangslösung

Die Herbst Synode 2018 beschloss auf Antrag des Kirchenrats, die BEFL aufzulösen und nach neuen Wegen für eine kirchliche Beratungstätigkeit zu suchen. Angedacht wurde das Führen eines Verzeichnisses von landeskirchlich empfohlenen Therapeutinnen und Therapeuten sowie die Zusammenarbeit mit kirchlichen Beratungsstellen der Region.
Der Kirchenrat bedauert es, dass eine Weiterführung auf ökumenischer Basis derzeit nicht realisierbar scheint, was für unsere katholische Partnerkirche im Kanton Appenzell Ausserrhoden besonders schmerzlich ist.

 

Neulösung

Nach dem Synodenentscheid begann der Kirchenrat unter der Leitung von Kirchenrätin Regula Gamp nach neuen Lösungen zu suchen, um diesen Dienst an ratsuchenden Menschen längerfristig auf solider professioneller Basis sicherzustellen.

Koni Bruderer, Kirchenratspräsident

 

 

Bildung

Neues und Altbewährtes

Neu 1

Pfarrerin Susanne Rothen, Hundwil, kündigte die Stelle des heilpädagogischen Religionsunterrichtes im Roth-Haus auf Ende Schuljahr 2017/18. Ihre Nachfolge trat Barbara Lüchinger, Stein, an.

 

Neu 2

Die Idee einer Mittelschulseelsorge an der Kantonsschule Trogen war schon länger in unserer Landeskirche und ebenso in unserer katholischen Schwesterkirche ein Thema. Nach einem weiteren Gespräch mit dem Rektorat im Januar 2018 wurde plötzlich ein Lösungsweg sichtbar. Eine Arbeitsgruppe «Mittelschulseelsorge» bestehend aus Vertretern der beiden Kirchen, arbeitete an einem Projektvorschlag für eine «Mittelschulseelsorge an der Kantonsschule Trogen».
Der Projektvorschlag für eine 30%- Stelle, befristet auf drei Jahre, wurde von der Synode gutgeheissen.

 

Neu 3

Im Frühling häufen sich regelmässig die Stellenausschreibungen der Kirchgemeinden für Fachlehrpersonen Religion. Die Suche gestaltet sich meistens nervenaufreibend. Es ist vielleicht nicht trostreich, aber unsere Nachbarlandeskirchen kämpfen mit denselben Schwierigkeiten. Zudem nimmt die Zahl der Auszubildenden in den religionspädagogischen Instituten St.Gallen und Chur ab. Eine regionale Zusammenarbeit im Grossraum Ostschweiz wird mittlerweile diskutiert und es wird nach möglichen Lösungen gesucht.

 

Altbewährtes

Auch dieses Jahr hat die Fachstellenleiterin der Fachstelle für Kinder und Jugendliche in der Kirche, Gaby Bürgi, viele Weiterbildungen für die Mitarbeitenden in den Kirchgemeinden angeboten.

Regula Gamp, Kirchenrätin

Diakonie

Was ist Diakonie? Seitwärts wachsen. Zu den Rändern hin.

Unsere Arbeitsgruppe

Im Zentrum des Jahres 2018 stand die Umsetzung des Diakoniekonzeptes. Eine neu gebildete Arbeitsgruppe, bestehend aus Verena Hubmann, Jessika Kehl, Carlos Ferrer, Katharina Knöpfel, Heinz Mauch und Daniel Menzi nahm mit Unterstützung von den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle ihre Arbeit auf. Die Leitung hatte der langbewährte Experte für diakonische Entwicklungen, Pfarrer Frieder Furler, inne.
Die Arbeitsgruppe mit Vertretern aus dem Vorder-, Mittel- und Hinterland trat mit den einzelnen Kirchgemeinden in Kontakt, sowohl um eine diakonische Bestandesaufnahme zu erstellen als auch ein Diakonie-Netz mit Vertretern der 20 Kirchgemeinden aufzubauen.

 

Unsere Ziele

  • Die Diakonie in unserem Kanton soll ein Gesicht, eine Identität erhalten.
  • Die Freiwilligenarbeit soll ausgebaut, begleitet und geschult werden. Die Öffentlichkeit soll sie wahrnehmen, ihre Bedeutung und ihre Leistung anerkennen.
  • Die diakonische Zusammenarbeit wird mit Pilot-Projekten von der Basis her aufgebaut und darauf weiter wachsen. Wir träumen von einer Beteiligungskirche und nicht von einer Angebotskirche.

 

Am 6. Juni 2018 trafen sich 37 diakonische Vertreterinnen und Vertreter zu einer ersten Begegnung in Teufen. Die Abgeordneten der Kirchgemeinden bekundeten ihr Interesse an einer regionalen Zusammenarbeit: Wir wollen teilen, zusammenarbeiten und gemeinsam ein diakonisches Netz aufbauen.

 

Unsere Finanzierung

Die Zusage der Sommer Synode mit dem Beitrag aus dem Projektfonds für drei Jahre legte den Grundstein. Ende März 2018 honorierte die Schweizerische Stiftung Fondia unser Diakonie-Projekt mit dem Höchstbeitrag von CHF 50 000.-.
Die Unterstützung der Geschäftsstelle in Fundraising sowie die Zusage einer Mehrheit der Kirchgemeinden für den freiwilligen «Diakoniefranken» pro Kirchenmitglied ermöglicht die Finanzierung einer Diakoniestelle.

 

Projektstelle «Diakonie-Netz-Appenzell»

Nach zehn Sitzungen entstand in vielen Diskussionen ein Stellenprofil, das alle gutheissen konnten. Ein grosser Dank gebührt der im November verabschiedeten Arbeitsgruppe. Sie war ein engagiertes Team, das sich mit Kopf und Herz für das Projekt eingesetzt hat.
In der Dezembersitzung genehmigte der Kirchenrat die Stellenausschreibung für eine dreijährige Projektstelle «Diakonie-Netz-Appenzell» mit 50 bis 60%.

 

Auflösung der Fachstelle Weltweite Kirche und Entwicklungszusammenarbeit und Auflösung der Kommission

Ende Januar 2018 fand die letzte Sitzung der Fachstelle Weltweite Kirche und Entwicklungszusammenarbeit unter der Leitung von Prisca Zaccari mit Marianne Jordi und Andrea Anker statt. Die Kommissionsmitglieder haben eine wichtige Arbeit gemacht, dafür sei ihnen herzlich gedankt.

Iris Bruderer-Oswald, Kirchenrätin

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